Beste Pflege

Beste Bedingungen für Pflegebedürftige, Pflegepersonal und Angehörige.

Ambulant vor stationär funktioniert, aber verändert das Pflegeheim. Die Menschen sollen erst ab Pflegestufe 4 im Heim untergebracht werden. Die Personalschlüssel hingegen stammen aus einer Zeit, in der Menschen geringe Pflegebedürftigkeit sowie hohe Selbständigkeit und wenig Betreuungsbedarf hatten. PflegerInnen brauchen mehr Zeit für die BewohnerInnen, um nicht nur in Notfällen Unterstützung leisten, sondern wirklich aktive Betreuung bieten können.

Die Pflegebedürftigkeit der BewohnerInnen ändert sich, so wie auch die Bedürfnisse der Generation, welche nun ins Pflegeheim zieht.

Dazu zählen unter anderem das verstärkte Bedürfnis nach Hygiene, welches mehr Zeit und Personal erfordert, die Verfügbarkeit von Internet und WLAN, die Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit mit demenzpräventiven Spielen, oder einfach die Pflege zeitgemäßer Kontakte mit Kindern und Enkelkindern.

Pflege, Betreuung, Service – aus einer Hand.

Während die Pflegefinanzierung auf Bundesebene gesichert werden muss, haben die Länder für einen bestmöglichen Mitteleinsatz zu sorgen. Finanzielle Anreize sollen dabei fördern was pflegerisch das Beste ist und auch den Betreuungswünschen der Menschen entspricht.

Mit unserem Konzept ziehen wir keine harte Grenze zwischen stationärer und ambulanter Betreuung; wir wollen eine verbesserte Vernetzung der einzelnen Bereiche, weil sich die Pflege- und Betreuungsbedürfnisse eines Menschen verändern können. Manchmal kommen Krankheiten dazu, Unfälle und Stürze passieren, die Verfügbarkeit von pflegenden Angehörigen ändert sich.

Das Konzept „Pflege daheim – statt im Heim“ greift hier leider zu kurz.
Welche Leistungen in der jeweiligen Lebenssituation die besten sind, orientiert sich am individuellen Bedarf und den momentanen Umständen. Die weitverbreitete Ansicht, dass sich Menschen ihre Pflege selbst organisieren können, ist in der Praxis oft zum Scheitern verurteilt. Nur ExpertInnen können alle existierenden Leistungen im Blick haben. Deshalb brauchen wir Servicestellen welche umfassend informieren. Im Interesse einer nachhaltigen Strategie muss die große Belastung pflegender Menschen – vor allem Frauen – reduziert werden. Pflegende Angehörige müssen bestmöglich entlastet und unterstützt werden.

Mehrstündige Pflegedienste.

Die nötige Unterstützung von älteren Personen entwickelt sich meist stufenweise: von leichten Hilfsdiensten zu Hause, über die 24-h-Betreuung, bis hin zur stationären Betreuung.  Zwischen Hauskrankenpflege und 24-h-Betreuung fehlt die mehrstündige Alltagsbegleitung, die dadurch eine Lücke in der Betreuungslandschaft darstellt.

Mehrstündige Alltagsbegleitung – das heißt: Pflegebedürftige Menschen werden im direkten Wohnumfeld und bei alltäglichen Tätigkeiten unterstützt.
Damit schließen wir die Lücke zur 24-h-Betreuung und entlasten pflegende Angehörige.

Aktivbetreuung im Pflegeheim und Chancen der Digitalisierung in der Pflege nutzen.

Die fortschreitende technische Entwicklung und Digitalisierung bietet auch im Bereich der Pflege und Betreuung hilfsbedürftiger Menschen neue Möglichkeiten. Dies beginnt bei der räumlichen Mindestausstattung von stationären Einrichtungen (z.B. Therapieformen, Unterhaltungs- und Entspannungsmöglichkeiten, Notrufsysteme, …) und geht bis zur Einbindung in das System der elektronischen Gesundheitsakte, sowie bis zur Berücksichtigung von Maßnahmen des Ambient Assisted Living (AAL, auch: altersgerechte Assistenzsysteme für ein umgebungsunterstütztes, gesundes und unabhängiges Leben).
Diese neuen Möglichkeiten stellen eine sinnvolle Unterstützung der klassischen Pflege- und Betreuungsverhältnisse dar und sollen im Rahmen des Leistungs- und Einrichtungsausbaus Berücksichtigung finden.

Pflegepersonal.

Der eingeschlagene Weg „ambulant vor stationär“ funktioniert zwar, aber verändert die Struktur der Bewohnerschaft in einem Pflegeheim. Nun kommen die Pflegebedürftigen erst dann ins Pflegeheim, wenn sie mindestens Pflegestufe 4 erreicht haben, somit erst bei höherer Pflegebedürftigkeit. Die Personalschlüssel sind nicht auf diese pflegeintensiven BewohnerInnenstrukturen angepasst worden und gehören zu den niedrigsten in ganz Österreich.

Eine Anpassung der Personalschlüssel an die Erfordernisse der BewohnerInnen und des Personals ist notwendig. Eine würdevolle, persönliche und wertschätzende Pflege ist nur möglich, wenn das Pflegepersonal die nötige Zeit hat und die Strukturen angepasst sind.

Es hilft keine Imagekampagne, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Wenn bessere Arbeitsbedingungen gegeben sind, dann wollen auch mehr Menschen den Pflegeberuf ergreifen. Den Personalmangel durch Reduzierung der Personalschlüssel lösen zu wollen, verschlechtert nicht nur die Betreuungsqualität für die Pflegebedürftigen, sondern verursacht zusätzlich schlechtere Arbeitsbedingungen für das Personal.

Pflege- statt Sicherheitspersonal! Sicherheit für PatientInnen, Zeit für PatientInnen, Entlastung für MitarbeiterInnen.

Wichtig sind Angebote wie die Remobilisierung nach einem Spitals-, bzw. vor einem Reha-Aufenthalt, oder wenn Angehörige sich nicht um die Pflegebedürftigen kümmern können.

Das Pflegepersonal wünscht sich mehr Zeit für die BewohnerInnen, nur lassen die Personalschlüssel dies nicht zu.

Ein Ansatz ist auch, DiplompflegerInnen und Pflegeassistenzen um Betreuungsassistenzen zu ergänzen und somit den Alltag zu erleichtern.

Das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen wird unterschiedlich bezahlt, obwohl beide dieselbe Ausbildung haben und beide gleich wichtige und herausfordernde Tätigkeiten ausüben. Daher fordern wir die gleiche Bezahlung!

Gesundheitsakademie.

Eine Pflegeakademie in Form einer BHS verbindet die Ausbildung zur Pflegeassistenz mit der Matura und ermöglicht AbsolventInnen alle weiteren Karriereperspektiven.

Der Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule für Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe (Gesundheitsakademie) soll modulhaft die Ausbildung zur Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz beinhalten und den Besuch einer Fachhochschule für den gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienst bzw. anderer Studien im Gesundheitsbereich ermöglichen. Im Gegensatz zur Lehre schafft dieses BHS-Modell bessere Wahlmöglichkeiten und erhöht die Durchlässigkeit in den Pflegeberufen. Diese BHS würde die Lücke zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr schließen und einen kontinuierlichen Ausbildungsverlauf ermöglichen. Die Gesundheitsakademien sollen an den bestehenden Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege angesiedelt werden.

Pflegende Angehörige.

48% aller pflegenden Angehörigen fühlen sich stark belastet (wenn die Pflegebedürftigen im Pflegeheim sind, sind es nur mehr 21%), vor allem bei höherem Pflegeaufwand, Immobilität, diagnostizierter Demenz, Verhaltensauffälligkeiten und Gedächtnisproblemen. Die Belastung steigt mit dem Beschäftigungsausmaß und dem Gesundheitszustand, sowie dem Alter der gepflegten Person.