Lebenschance Bildung

Beste Chancen für alle von klein auf.

Bildung bereitet die Jugend auf die Herausforderungen des Lebens vor. Bildung gibt Wissen, Erkenntnisse und Erfahrungen der vorangehenden Generationen an die Jugend weiter. Bildung macht Kultur und Kunst bekannt. Bildung macht neugierig. Aus sozialdemokratischer Sicht ist Bildung wissenschaftsorientiert und kritisch; sie umfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens und schließt grundsätzlich keine Inhalte aus.

Unsere Gesellschaft verändert sich. Daher müssen sich auch die Bildungsangebote verändern. Sozialdemokratische Bildungspolitik will auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel reagieren und mit ihm verantwortungsbewusst und sorgsam umgehen. Kernaufgabe der Bildungsinstitutionen muss es daher sein, den Heranwachsenden Orientierung in einer sich wandelnden Welt zu verschaffen. Außerdem soll Bildung den jungen Menschen die Möglichkeit geben, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsfähigkeit zu entwickeln.

 

Gleiche Bildungs-Chancen für alle Kinder – Bildung von klein auf.

Bildung beginnt für uns mit dem ersten Lebensjahr. Babys lernen durch Imitation und versuchen, alles in ihrer Umgebung zu erfassen und zu begreifen. Daher ist es nicht egal, in welcher Umgebung sie aufwachsen.

Kinder, mit denen viel gesprochen wird, auf deren Bedürfnisse – etwa menschliche Nähe und Lesefreude – eingegangen wird und die in einem glücklichen Umfeld aufwachsen dürfen, haben ideale Voraussetzungen für das weitere Leben. Es ist daher die Aufgabe der Politik, sich für eine kinderfreundliche Gesellschaft einzusetzen, in denen die Bedürfnisse unserer Kleinsten immer im Mittelpunkt stehen.

Für die Entwicklung der Kinder kommt neben der elterlichen Liebe und Fürsorge der Kleinkindbetreuung und dem Kindergarten eine besondere Bedeutung zu. Daher setzen wir uns für die beste Qualität dieser Einrichtungen ein – sowohl bei der Infrastruktur als auch beim Personal.

Das beste Angebot nützt allerdings nur bedingt, wenn es zu wenig davon gibt – oder wenn es zu teuer ist. In Vorarlberg ist leider beides der Fall. So haben wir österreichweit die zweitmeisten Schließtage bei den Kinderbetreuungseinrichtungen. Für viele berufstätige Eltern von Kleinkindern stellen die Sommerferien eine enorme organisatorische Herausforderung dar. Wenn es dann gar um mehrere Kinder geht, die verschiedene Einrichtungen mit verschiedenen Schließtagen besuchen, ist das Chaos perfekt. Wir sagen daher: Schließtage deutlich reduzieren!

Zudem ist gerade für die Mittelschicht die Kleinkindbetreuung immer noch eine große finanzielle Belastung. Manche Eltern verdienen zu viel, um von der „sozialen Staffelung“ der monatlichen Kosten zu profitieren; gleichzeitig verdienen sie auch nicht so viel, dass sie die hohen Ausgaben für die Kleinkindbetreuung problemlos schultern könnten. Für viele berufstätige Eltern stellt sich die berechtigte Frage: Lohnt es sich überhaupt, dass beide Elternteile arbeiten gehen, wenn ein großer Teil des Einkommens für die Kinderbetreuung ausgegeben werden muss, die wiederum nur deshalb benötigt wird, weil eben beide arbeiten gehen?

Wir haben eine klare Position: Kleinkindbetreuung und Kindergärten sind Bildungseinrichtungen – genauso wie die Schule. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen muss ohne finanzielle Barrieren möglich sein. Daher ist die beitragsfreie Kinderbetreuung die einzige sinnvolle Lösung, von der alle Kinder und auch Eltern profitieren.

 

Beste Chancen mit der gemeinsamen Ganztagsschule.

Nach Überzeugung der SPÖ dürfen weder Einkommen noch Herkunft, weder Bildungsniveau noch Sozialprestige der Eltern entscheidend für den Bildungsweg von Kindern und Jugendlichen sein. Deshalb müssen Kinder bereits sehr früh gefördert werden. Für den Pflichtschulbereich fordert die SPÖ den Ausbau der verschränkten Ganztagesbetreuung und zwar beitragsfrei für alle. Die verschränkte Ganztagsschule ist das beste Konzept für die Zukunft unseres Schulwesens. Diese Schulform funktioniert folgendermaßen: Den SchülerInnen werden abwechselnd Unterrichtseinheiten, Freizeiteinheiten und die Förderung angeboten. Die Schule endet zwischen 16 und 17 Uhr. Die Kinder können unbeschwert nach Hause, denn Hausübungen und Nachhilfeunterricht sind im Rahmen der Ganztagsschule bereits inkludiert.

Schulbildung passiert dann ausschließlich dort, wo sie passieren soll: in der Schule. Eltern haben wichtige Erziehungsaufgaben, aber sie sind nicht die LehrerInnen der Kinder und können bei den Hausaufgaben oft nur begrenzt helfen. Nicht nur für Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, ist das ein enorm wichtiges Angebot.

Die verschränkte Ganztagsschule ist auch für die Kinder die beste Variante, weil sie in der Schule lernen können und dort immer AnsprechpartnerInnen haben, die auch wirklich weiterhelfen können. Zudem werden sowohl Eltern als auch Kinder entlastet, da Haus- aufgaben nicht mehr daheim mit Hilfe der elterlichen Unterstützung gemeistert werden müssen. Kinder, deren Eltern ihnen dabei nicht helfen können, haben damit keinen Nachteil mehr.

Zu unnötigem Druck führt auch die frühe Trennung in Mittelschul- und Gymnasiums-SchülerInnen. Für die Kinder und ihre Eltern ist es eine enorme Belastung, dass diese Selektion bereits im vierten Volksschuljahr geschieht.

Wir sagen: Das ist viel zu früh!

Kinder brauchen gemeinsame Entwicklungschancen, keine Aussortierung in diverse Schulformen. Denn die Entscheidung, in welche Schule das Kind gehen soll bzw. darf, kann maßgeblich über den weiteren Lebensweg bestimmen. Unabhängig davon, wer in Wien regiert: In Vorarlberg soll – wie bereits geplant und von allen Parteien im Landtag unterstützt – endlich die gemeinsame Schule eingeführt werden! Zudem setzen wir uns für eine demokratische Schulorganisation ein. In einer demokratischen Autonomie der Schulen müssen Eltern und Lehrpersonen miteinbezogen werden.

 

Füreinander da sein.

Österreich steht bezüglich Unterstützungspersonal europaweit an letzter Stelle. Hier muss Vorarlberg sofort Geld in die Hand nehmen, um LehrerInnen und LeiterInnen zu entlasten. Wir sind für den Chancenindex, damit „Schulen mit besonderen Herausforderungen“ zusätzliche Ressourcen erhalten. In Vorarlberg werden derzeit 26 Schulen von 16 Schulsozi- alarbeiterInnen betreut. Bei Problemen an der Schule und zu Hause sind sie professionelle und einfühlsame AnsprechpartnerInnen für SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern. Doch der Bedarf an dieser Hilfestellung ist groß und kann von den wenigen SozialarbeiterInnen nicht abgedeckt werden. Wir möchten, dass dieses Angebot deutlich verbessert wird. An jeder Schule sollen regelmäßige Sprechstunden mit fixen SozialarbeiterInnen angeboten werden. Die Volksschule benötigt darüber hinaus ein ZweilehrerInnensystem für kleinere Gruppen oder Teamteaching. Ziffernbenotung oder alternative Leistungsbeurteilung soll das Schulforum autonom entscheiden können.

Unser damit eingehendes Ziel ist daher, die hohe Anzahl an SchulabbrecherInnen auf Null zu reduzieren. Alle Kinder und alle jungen Erwachsenen müssen in Vorarlberg eine Perspektive haben und verstehen, warum sich Bildung lohnt.

Eine Schulklasse kann nur wirklich gut funktionieren, wenn sie pädagogisch gut durchmischt ist. Um Mittelschulen im urbanen Bereich zu stärken, benötigen sie sofort Supportpersonal und mehr Ressourcen. Momentan sind leider nur vier Schulen auserwählt, um diesbezüglich einen Versuch durchzuführen; mindestens viermal so viele Schulen müssten eine besondere Förderung dieser Art erhalten. Diese Förderung muss dabei niederschwellig sein und darf den Lehrpersonen nicht noch zusätzliche Arbeit aufbürden.

 

Vorarlberg als Universitäts-Standort.

Ein florierendes Bundesland wie Vorarlberg braucht seine eigene Universität. Vorarlberg ist ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort, der Aufbau einer Universität würde diese Position zusätzlich stärken. Uns schwebt keine Voll-Universität vor: Studienfächer wie Medizin, Rechtswissenschaften sowie eine universitäre Eingliederung der bereits bestehenden Pädagogischen Hochschule wären jedenfalls zielführend und würden das Angebot der FH Dornbirn bestens ergänzen.

Ein breiteres Hochschulangebot würde auch dazu führen, dass mehr junge VorarlbergerInnen das Ländle für Studienaufenthalte nicht mehr verlassen müssten und der „Brain- Drain“ in andere Bundesländer künftig an Gewicht verliert. Vor allem eine Umwandlung der jetzigen Pädagogischen Hochschule in eine Pädagogische Universität wäre in Anbetracht des drohenden Mangels an Lehrpersonal ein attraktives Angebot für junge Menschen in Vorarlberg, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Zudem würde die Bildungslandschaft in Vorarlberg dadurch bereichert werden.

Denkbar wäre etwa eine überregionale Kooperation mit einer bestehenden Universität in der Schweiz oder in Deutschland. Bereits jetzt gibt es über das Studienzentrum in Bregenz die Möglichkeit, ein Fernstudium an der Universität Linz oder der Universität in Hagen zu absolvieren. Diese Zusammenarbeit könnte man intensivieren, auch mit anderen Universitäten. Was spricht dagegen, in Vorarlberg zum Beispiel eine Filiale der ETH Zürich zu haben?

 

Versteckte Schulkosten abfedern.

Der Schulbeginn bedeutet für viele Familien, dass sie mit hohen finanziellen Belastungen rechnen müssen. Je nach Schultyp fallen am Schulanfang Kosten zwischen 300 und 600 Euro pro Kind an. Neben zahlreichen Utensilien für den Schulunterricht (Hefte, Taschenrechner, Zirkel, etc.) werden auch sonstige Dinge wie etwa Sport- und Hausschuhe benötigt. Gerade für Familien mit mehreren Kindern bedeutet der Schulanfang, dass die Eltern sehr tief in die Geldtasche greifen müssen.

Die ÖsterreicherInnen geben pro Jahr mehrere hundert Millionen Euro für die Schule aus, vor allem für Nachhilfe und Exkursionen. Einige Bundesländer haben deshalb mittlerweile das Schulstartgeld eingeführt. Vorarlberg zählt bislang nicht dazu. Besonders Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern, Alleinerziehende oder Familien mit sehr geringem Einkommen sollten vom Land Vorarlberg in punkto Schulausrüstung unterstützt werden.

Wir schlagen deshalb vor, für Vorarlberger Familien und Alleinerziehende mit einem geringen Einkommen ein Schulstartgeld in Höhe von 100 Euro pro Schüler von 6 bis 15 Jahren einzuführen. Das Geld soll durch das Familienreferat des Landes Vorarlberg ausgezahlt werden. Als Einkommensgrenzen sollen hierbei die Richtlinien des Heizkostenzuschusses gelten.

 

Digitale Bildung.

Sämtliche Aspekte des Lebens werden zunehmend digitalisiert. Wir entwickeln uns von einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft hin zur Wissensgesellschaft. Doch sind wir für diese Entwicklung gerüstet? Sind wir als Gesellschaft mit dem Know-how ausgestattet, um den Ansprüchen einer digitalen Zukunft gerecht zu werden? Diese Frage ist vor allem bildungspolitischer Natur. Das Zauberwort heißt in diesem Zusammenhang „MINT“.

„MINT“ setzt sich zusammen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Kenntnisse in diesen Gebieten zählen zu den wichtigsten Grundausbildungen in einer digitalisierten Gesellschaft. Pro Jahr verzeichnet Österreich derzeit knapp 11.000 HTL-AbsolventInnen und rund 17.000 MINT-AbsolventInnen an Universitäten und Fachhochschulen. Für ein Studium im naturwissenschaftlichen Bereich entscheiden sich jedoch nur etwa 25% aller Studierenden, davon mehrheitlich Männer. Unser Ziel muss daher darin bestehen, das Interesse hierfür zu wecken und gerade bei jungen Menschen konkret zu fördern. Insbesondere Mädchen und Frauen müssen hier die Zielgruppe sein.

Die SPÖ steht hinter dem Ziel, die Anzahl von MINT-AbsolventInnen von derzeit 17.000 auf 22.000 pro Jahr zu steigern. Damit wäre Österreich in den OECD-Ländern auf Platz 1. Das ist nur möglich, wenn bereits bis zum Ende der Volksschule erste Übungen zum Thema Digitalisierung stattfinden. Das ist vor allem Aufgabe des Bundes. Erforderlich sind aber auch andere Schritte, die im Land umgesetzt werden müssen. Soll unser Bildungssystem den Anforderungen der Zukunft gerecht werden, müssen wir auch die Frühförderung deutlich verbessern, die Ganztagsschulen flächendeckend ausbauen und endlich die gemeinsame Schule einführen. Das alles sind wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Bildungssystem; zu einem Bildungssystem, das unsere Kinder mit jenem Rüstzeug ausstattet, mit dem sie die Herausforderungen der Digitalisierung meistern werden.

 

Ethik für Alle.

Die SPÖ steht für eine Lehr- und Lernkultur, die SchülerInnen zur selbständigen Organisation ihrer Arbeit und zur Entwicklung solidarischer Beziehungen befähigt. Wir sind für ein Schulfach „Politische Bildung“ und Ethikunterricht für ALLE. Ethikunterricht soll kein Ersatz für den Religionsunterricht sein, sondern Regel für alle SchülerInnen einer Klasse. Gerade SchülerInnen verschiedener Religionszugehörigkeiten sollen gemeinsame ethische Werte vermittelt werden.